LeSuBiA-Neue Erkenntnisse zu Gewalt in Paarbeziehungen
Über 20 Jahre nach der letzten repräsentativen Dunkelfeldstudie zur Lebenssituation von Frauen, die Gewalt in (ehemaligen) Paarbeziehungen erlebt haben, liegen nun endlich aktuelle Daten vor.
Was ist die LeSuBiA-Studie?
Die LeSuBiA-Studie (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag) wurde im Auftrag verschiedener Behörden – darunter BKA, BMI und BMFSFJ – durchgeführt. Besonders hervorzuheben ist, dass die Studie erstmals geschlechterübergreifend angelegt ist. Zwischen 2023 und 2025 nahmen 15.479 Personen an der Befragung teil.
Die Ergebnisse werden in drei Themenheften veröffentlicht:
Heft 1 (02/2026): Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von Beziehungen
Heft 2: Erfahrungen mit Polizei, Justiz, medizinischen Einrichtungen und Hilfsangeboten
Heft 3: Folgen von Gewalt in Paarbeziehungen
Welche Gewaltformen wurden untersucht?
Das erste Themenheft beleuchtet Gewalterfahrungen in und außerhalb von Paarbeziehungen. Untersucht wurden Häufigkeit, Ausmaß und Schwere der Gewalterfahrungen. Die erfassten Gewaltformen lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:
Gewalt in (Ex-) Paarbeziehungen: Psychische Gewalt (emotional, Bedrohung, Kontrolle, ökonomisch), Körperliche Gewalt, Falschbeschuldigungen
Gewalt innerhalb und außerhalb von Beziehungen: Sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt, Sexuelle Belästigung mit Körperkontakt, Sexueller Übergriff, Stalking, Digitale Gewalt, K.o.-Tropfen
Was zeigen die Ergebnisse zu Gewalt in (Ex-) Paarbeziehungen
Sowohl Frauen als auch Männer sind von Gewalt in Paarbeziehungen betroffen. Personen, die der LSBTIQ*-Community angehören, sind dabei überdurchschnittlich häufig betroffen – sowohl innerhalb als auch außerhalb von Beziehungen. Frauen mit Migrationshintergrund sind über alle Gewaltformen hinweg besonders stark betroffen.
Fast die Hälfte der befragten Frauen (48,7%) und rund vier von zehn Männern (40%) haben im Laufe ihres Lebens psychische Gewalt in einer (ehemaligen) Paarbeziehung erlebt.
18% der Frauen und 14% der Männer waren von körperlicher Gewalt in einer (Ex-) Partnerschaft betroffen. Frauen weisen dabei bei fast allen Formen körperlicher Gewalt eine stärkere Betroffenheit auf. Über die Hälfte der betroffenen Frauen (54,5%) und ein Drittel der Männer (32,5%) erlitten körperliche Verletzungen als Folge von Gewalt. Fast jede zweite Frau (46,5%) und jeder vierte Mann (24,3%) hat einen sexuellen Übergriff in einer Paarbeziehung erlebt.
Geschlechtsspezifische Unterschiede
Betrachtet man die Daten der Gewalterfahrungen in den letzten fünf Jahren zeigt sich, dass Frauen und Männer von psychischer sowie körperlicher Gewalt in (Ex)-Paarbeziehungen in ähnlichem Ausmaß betroffen sind. So haben 20,2% der Frauen und 17,9% der Männer angegeben in den letzen fünf Jahren emotionale Gewalt erlebt zu haben. Blicken die Befragten auf ihr Leben zurück (Lebenszeitprävalenz), dann zeigen Frauen über alle Gewaltformen hinweg eine höhere Betroffenheit ( z.B. emotionale Gewalt:Frauen:43,2% und Männer 31,8%).
Allerdings wird auch deutlich: Frauen sind nicht nur häufiger, sondern auch schwerer betroffen. Sie erleben in Gewaltsituationen stärkere Angst, berichten über schwerere Verläufe und sind häufiger von mehrfacher Gewalt (Polyviktimisierung) betroffen. Besonders alarmierend ist: nur 4,7% der Männer sahen sich in einer Beziehung in Lebensgefahr – bei Frauen war es jede Fünfte (21,4%).
Die Gewalt gegen Frauen wird überwiegend durch Männer ausgeübt. Bei Männern ist dies abhängig von der Gewaltform: Psychische und körperliche Gewalt wird überwiegend durch Frauen ausgeübt, während sexualisierte Gewalt gegen Männer zu einem Drittel von anderen Männern begangen wird.
Bemerkenswert ist, dass
über die Hälfte der Frauen (52,2%) mittlerweile vom körperlich gewaltausübenden Partner getrennt leben, während 51,2% der betroffenen Männer angaben, weiterhin in der Gewalt belasteten Beziehung zu sein.
Die Anzeigequoten verdeutlichen ein erhebliches Dunkelfeld!
Gewalt in Paarbeziehungen wird selten zur Anzeige gebracht – die Quote liegt bei unter 5%. Bei sexuellen Übergriffen erstatten Männer mit 14,5% deutlich häufiger Anzeige als Frauen mit nur 3%. Psychische Gewalt wird in der Regel seltener angezeigt als körperliche Gewalt, auch hier erstatteten Männer mit etwas häufiger Anzeige (3,2%) als die befragten Frauen (2,7%).
Ein kurzes Resümee
Die Ergebnisse des ersten Themenhefts bestätigen einen zentralen Diskurs: Patriarchale Gewalt betrifft Menschen aller Geschlechter, mit besonders gravierenden Folgen für mehrfach diskriminierte Personen. Frauen bleiben jedoch am stärksten betroffen, während die Täterschaft überwiegend männlich ist. Daraus ergeben sich klare Forderungen: Schutz- und Beratungsangebote müssen ausgebaut, Täter*innenprogramme diversifiziert werden. Alarmierende Anzeigenquoten machen zudem dringenden Schulungsbedarf bei Polizei und Justiz deutlich.